Zur Osterzeit: Keine Kinderarbeit

Zu Ostern verschenken die meisten Menschen in Deutschland Schokolade und andere Süßigkeiten

an ihre Liebsten. Doch leider hat Schokolade nach wie vor eine dunkel-bittere Seite: Kinderarbeit.

Das „Junge entwicklungspolitische Forum“ (Jep) hat, um auf diese Missstände aufmerksam zu

machen, am 01.04. mit in einer Protestaktion beim Bremer Roland begonnen.

Das Jep hat Unterschriften gesammelt, um diese an Hachez als ein in Bremen ansässiges, großes und traditionsreiches Unternehmen der Branche zu überreichen.

 

 

Die Forderungen des Jep und aller Unterzeichnenden beinhalten:

  1. Die transparente und nachvollziehbare Listung der Maßnahmen zur Sicherung von existenzsichernden Einkommen der Kakaobäuer*innen
  2. Die Offenlegung der gezahlten existenzsichernden Mindestpreise
  3. Ein entschlossenes Engagement gegen Kinderarbeit bei den Erzeugern ihrer Rohstoffe

Gerade Hachez als bremisches Unternehmen will das Jep mit unseren Forderungen dazu bringen, einen modernen Code-of-Conduct einzuführen und die Einhaltung bis in die Rohstoffproduktion zu gewährleisten. Hachez hat mit einem eigenen Nachhaltigkeitsprogramm („Hachez Wild Cocoa de Amazonas“) bereits einen Anfang gemacht. Allerdings fehlt nach wie vor eine Umsetzung von Nachhaltigkeitsstandards in der Breite. Darüber hinaus hat die Firma bei der Masse ihrer Rohstofflieferanten keinerlei Überblick oder Kontrollmöglichkeiten in Bezug auf die tatsächlichen Arbeitsbedingungen vor Ort. Nur durch eine klare Firmenpolitik, mit der faire Handels- und Arbeitsbedingungen forciert werden, sowie durch transparente und leistungsfähige Kontrollen der Rohstofflieferanten kann eine Verbesserung erzielt werden. Das Jep sieht Hachez in der Pflicht, hier nachzubessern und sich zu seiner Verantwortung zu bekennen.

 

Zum Hintergrund:

In der Rohstoffproduktion für Schokolade, insbesondere beim Anbau von Kakao und Haselnüssen, müssen oftmals Kinder auf der Plantage ihrer Eltern helfen oder auf den Plantagen größerer Produzenten arbeiten, um das notwendige Auskommen ihrer Familien zu sichern. Hierbei erhalten sie meist noch geringere Löhne als ohnehin schon unterbezahlte Erwachsene, da sie nicht als „vollwertige“ Arbeiter*innen gelten.

In Ghana und der Elfenbeinküste, den weltweit größten Lieferanten von Kakaobohnen und -erzeugnissen, arbeiten nach offiziellen Schätzungen rund zwei Millionen Kinder auf den Plantagen, anstatt zur Schule zu gehen und ein ihrem Alter entsprechendes Leben zu führen. Der drastische Einbruch des Weltmarktpreises von Kakao um rund 30% verschlimmerte zuletzt die Lage zusehends, da diese Entwicklung viele der Kleinbauernfamilien zwingt, ihre Kinder als Arbeitskräfte einzusetzen. Die zentralen Akteure des internationalen Kakaobohnen- und Kakaoprodukthandels bestehen aus einer Handvoll Süßwarenkonzerne, die sich erst seit kurzer Zeit und allemal vordergründig mit den Problemlagen ihrer Rohstofferzeuger beschäftigen. Um den stetig steigenden Bedarf dieser Abnehmer zu stillen kommt es seit Jahren zu einem besonderen Phänomen moderner Sklavenarbeit: Zulieferer der großen Firmen kaufen regelrecht Waisenkinder und Arbeitsmigranten im Kindesalter ein, um ihre Produktion kostengünstig zu maximieren.

Zwar haben sich inzwischen die meisten dieser Firmen öffentlichkeitswirksame eigene Siegel und Projekte gegeben, jedoch sind diese in ihrer Wirksamkeit für die Produzent*innen umstritten. Trotz hoher veranschlagter Investitionssummen ist es meist nur ein kleiner Kreis produzierender Personen, die nachvollziehbar Gelder erhalten. Dies basiert unter anderem auf der nachlässigen Zuliefererkontrolle der schokoladenproduzierenden Unternehmen. Generell weisen die meisten von Firmen initiierten Siegel und Maßnahmen hohe Defizite im Bereich der Transparenz auf: Außenstehende können kaum nachvollziehen, wie Projekte der Firmen Wirkung erzielen wollen oder wie die Projektgelder eingesetzt werden, von den tatsächlichen Projektwirkungen ganz zu schweigen. Die meisten dieser firmeninternen Maßnahmen erscheinen daher eher als eine PR-Maßnahme denn einer wirklichen Nachhaltigkeitsstrategie. Dabei könnten sich die Süßwarenhersteller auf bereits existierende, im direkten Vergleich deutlich transparentere und besser überwachte Zertifizierungen stützen, zum Beispiel das FairTrade-Siegel von TransFair oder anderen Initiativen wie der GEPA oder Contigo, dies ist ihnen häufig zu teuer.

 

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Prof. Dr. Günter Matthiesen  (Nord-Süd-Forum Bremerhaven)