Checkliste zur Vermeidung von Rassismus

SchubladendenkenDie Öffentlichkeitsarbeit entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen (NRO) reproduziert oft Stereotypen und Rassismen. Um dem entgegenzuwirken, legt die AG Antirassismus des Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlags (BER) eine Checkliste vor, die Organisationen als Anregung für eine reflektiertere Arbeitsweise dienen soll.

Um Rassismus zu vermeiden, ist eine kritische Reflexion der Struktur in der eigenen Arbeitspraxis und in der Zusammenarbeit mit PartnerInnen aus dem Globalen Süden und gegebenenfalls deren Veränderung nötig. So werden häufig Schwarze und People of Color im Nord-Süd-Kontext als Objekte und EmpfängerInnen von Hilfe und Unterstützung dargestellt, Weiße dagegen als handelnde Subjekte und ExpertInnen. Die Checkliste der AG Antirassismus dient als Orientierungshilfe für MitarbeiterInnen entwicklungspolitischer NROs in ihrer alltäglichen Praxis.
Das heutige Verhältnis zwischen dem Globalen Norden und Süden, das nach wie vor von Macht- und Ausbeutungsstrukturen geprägt ist, kann ohne Berücksichtigung der kolonialen Vergangenheit nicht verstanden werden. Damit diese Strukturen nicht erneut reproduziert werden, ist eine kritische Reflexion der kolonialen Gewaltverhältnisse nötig. Noch immer dient der Kolonialismus als ideologisches Konstrukt zur Legitimation der Entrechtung nicht-weißer Menschen und der systematischen Verletzung ihrer Menschenrechte und Menschenwürde. Wird beispielweise von „Entwicklungsland“ gesprochen, entsteht automatisch eine Hierarchisierung von Gesellschaftsformen und damit die Idee von „Unterentwicklung“.

Grundsätzlich vermieden werden sollte, Handlungsoptionen anzubieten, die auf apolitische Ablasshandel hinauslaufen: etwa Spenden oder fair Kaufen gegen das eigene schlechte Gewissen. Vielmehr sollte zu politischen Handel im Sinne eines strukturellen Ausgleichs im Nord-Süd-Verhältnis angeregt werden.
Die Leitwerte, welche die normative Grundlage der Checkliste bilden, sind: Menschenwürde, Respekt und Partnerschaftlichkeit, Verpflichtung zu Wahrhaftigkeit sowie Gleichheit in Verbindung mit Sensibilität für Hierarchien und Abhängigkeiten.
Um Rassismus in der Öffentlichkeitsarbeit zu vermeiden, bieten unter anderem folgende Fragen eine hilfreiche Grundorientierung:

  • Wie würde ich die Personen und Sachverhalte in einem anderen Kontext darstellen?
  • Wurden Begriffe wie „Hilfe“, „Entwicklungsland“, „Opfer“ kritisch reflektiert?
  • Werden den LeserInnen des Textes Handlungsoptionen jenseits eines apolitischen Ablasshandels angeboten?

Allerdings gilt es zu beachten, dass auch Ästhetisierungen in Bild und Text unterlassen werden sollten. Denn auch ein „wohlgemeinter Rassismus“ („positive“ Stereotypen) ist und bleibt Rassismus.

Die Checkliste der AG Antirassismus des Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlags ist hier als PDF herunterzuladen. Des Weiteren bietet die Hompage  "Der Braune Mob" wichtige und hilfreiche Informationen zum alltäglichen Rassismus.

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(Hannes Menke, Generalsekretär der Norddeutschen Mission)